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Vom Leben und Sterben


schön. Zusammen ist es schrecklich schön. Kriege, Sucht, Gewalt, Selbstzerstörung, Depression. Die Todeskraft hat viele Gesichter und ist überall unter uns. Sie ist das einfache Gegenteil von Leben, Gesundheit, Freundschaft, sich wohl fühlen. Ich habe immer gedacht, daß nur die positiven Dinge das Leben fördern und die negativen einen in einen bodenlosen Abgrund reißen können. Todeskraft zulassen bedeutete für mich, daß ich meine Lebenskraft geschwächt sah. Nach Gutem streben und gar nicht erst anfangen nachzudenken, warum es das Schreckliche gibt. Jeden Tag aufs Neue verdrängen. Oft hab ich mir vorgestellt es gibt eine Sonnenseite und eine Schattenseite für die Seelen und habe alles versucht um auf der Sonnenseite zu wandeln. Unnatürlich und krank und böse, oder gut und positiv und menschlich. Wenn die Menschen von einer Todeskraft überwältigt worden sind, fühlen sie sich schlecht, schuldig, schwach. Ich kenne das zu gut, und alles immer wieder obwohl man doch alles versucht hat um diese Todeskraft in Liebe zu ersäufen. Dann verdrängen, schnell schnell, die Zügel fester in die Hand und wieder zu einem neuen sonnigen Tag losreiten, lachen, positives ausstrahlen, irgendwann muß es doch klappen.

Wenn man das mal nicht tut, wird man oft von anderen Menschen abgelehnt. Sie ertragen es oft nicht den Tod in anderen zu sehen, sie wollen nur Leben sehen, weil sie an die verdrängte Todeskraft in sich erinnert werden. Eine Kraft der man einfach nicht hilflos gegenüberstehen will. Manchmal gehen sie einfach weg von dir, oder sie werden böse und versuchen mit Gewalt dich in ein lachendes Ding zu verändern. Oder sie drohen dir dich nicht mehr zu mögen, dich allein zulassen. Ich dachte immer das wäre natürlich, daß Lebende eben Todeskraft abweisen weil es ihnen als lebenden Wesen widerspricht. Jetzt habe ich mit dem Tod geredet und denke anders darüber. Lebende Wesen sind immer auch tote Wesen, oder ander gesagt Lebensenergie und Todeskraft sind immer beide in einem.

„Ich hab doch mein Leben selbst in der Hand“ dachte ich, „ich bestimme doch was ich tue, ob ich rauche oder trinke oder sport treibe oder jemand den ich liebhabe verletze“ ..“ist das nicht so?“

 

Ich lebte jeden Tag und dachte selten an den Tod . Dann fühlte ich mich immer verstört, wenn er auftauchte. Dabei taucht er ständig auf. Es ist doch blöd ihn zu ignorieren, gestern nacht hab ich einfach mal nicht weitergemacht wie sonst, sondern mich umgesehen im dunklen einsamen Wald in dem ich stand..und dann sah ich ihn, oben auf einem Ast über mir auf einem Baum. Er glotzte auf mich herunter. Ich wußte auf einmal daß er das immer so macht, denn er ist immer da.

 

Er sagt: „ Na endlich schaust du mal zu mir hoch, findest du es nicht absurd daß Menschen leben um zu sterben und trotzdem fast nie mal jemand zu mir hochsieht? Wo ich doch immer und überall bin auf der Welt.“

Ich frage ihn im Namen vieler Menschen:

“Ich bin gesund und mache mich krank. Irgendwo sind Menschen die an Krebs leiden, die Verhungern. Ich begehe Verbrechen für Geld, irgendwo erfrieren die Menschen. Ich bin gewalttätig, irgendwo stirbt ein Kind im Arm seiner Mutter. Ich nehme Drogen obwohl ich alles habe wovon ich geträumt habe aber es reicht einfach nicht um mich glücklich, unsterblich und frei von der Todeskraft zu machen.

Eigentlich ist es nicht zum aushalten. Wir leben um zu sterben. Soll das Sinn machen?

 

Er lacht und meint: “Denk mal scharf nach..Gut und Böse. Täter und Opfer. Gibt es das so wirklich? Diese Begriffe gaukeln nur etwas vor was einfach so nicht ist. Du hast gar nicht die Macht. Menschen werden geboren, haben Glück oder Pech, sind hübsch oder nicht, arm oder reich, mit Status oder ohne. Gehen nach rechts oder links. Für mich  macht das alles aber keinen Unterschied. Es ist nicht Leben hier auf dieser Welt, es ist Leben und Sterben. Alles endet und beginnt, nichts dauert, in jedem Augenblick stirbt etwas und wird etwas geboren. Es gibt kein Leben ohne Sterben, kein Lachen ohne Weinen.

Und wenn du das abwehrst dann werde ich dir immer wieder das

Steuer herumreißen, von dem du glaubst du kannst es fest in beiden Händen halten. Hör mal, willst du nicht frei sein von der Illusion? Frei sein, endlich frei sein, das ist es doch wonach du dich sehnst. Wenn ich dich immer wieder zwingen muß zu meinem Ast hochzusehen, dann kannst du nicht frei sein. Wenn du weiter  in der Illusion lebst,du hättest die Macht, wirst du ständig aufs neue von Reue, schlechtem Gewissen und Schuld zerfressen.

 

„Ich hab mir schon oft überlegt warum es so viele Menschen gibt die schlimme Filme drehen oder Bücher schreiben über Todeskräfte wie Gewalt, Trauer, Verzweiflung und Schmerz..ich dachte sie tun das um Erfahrungen zu verarbeiten..und wenn jemand solche Erfahrungen nicht gemacht hat dann „zieht es einen vielleicht nur runter sich damit zu befassen..Ich hab mich das oft gefragt, ob , wenn man ab und zu in die Abgründe hineinsieht sie dann nur noch mehr in einem aufreißen.

Jetzt denke ich daß es so nicht sein muß. So etwas zu erschaffen ist einfach Ausdruck der Todeskraft in den Menschen..eine Art diese Kraft auszudrücken durch Kunst. Es ist so als ob man zu dir auf deinem Ast hochsieht und sagt, ah ja da bist du ja. Genau, ich kann dich gerade in meiner Seele spüren. Und vielleicht es hilft sogar anderen Menschen mit ihrer Todeskraft umzugehen..Höchstwahrscheinlich ist das so..

 

Weißt du wie sich das anfühlt dich anzusehen da oben auf deinem Ast? Es ist erleichtend, wie wenn ein großer Druck endlich abfällt. Der Druck den man auf sich anwendet um den Tod aus seinem Leben zu verbannen..

 „Es gibt eigentlich nicht das du von dem du sprichst. Es ist eine Illusion. Der selbstbestimmte Mensch der nur unter einem guten Stern geboren worden sein muß um unsterblich zu werden. Der nur endlich den richtigen Weg gehen muß. Der das nur kann wenn er stark ist und wenn er es nicht schafft ist er schwach und verdammt dazu auf der Schattenseite zu gehen. DU BIST LEBEN UND STERBEN. Deshalb kann das eine nicht ohne das andere sein. Siehst du nicht das alles zu Sand wird der zerrint? Das es dich rasend und verzweifelt macht? Zu sehen wie das wundervolle kleine Geschöpf das glücklich macht wenn man es ansieht im nächsten Moment gefressen wird?Leben und Sterben. Alles wird zu Nichts und wird wieder alles. Wer am Alles festhält hat Probleme mit seiner Existenz, ist mit sich nicht eins, spürt daß er diese Welt nicht verstehen kann und an ihr leidet. Deswegen mußt du weinen, sonst kannst du irgendwann nicht mehr lachen. Du bist der Sonnenschein und der unendlich tiefe, dunkle Abgrund. Heute das eine, morgen das andere.

Und ich reiße dir vielleicht morgen ein Bein raus. Ich weiß daß ich nicht schön oder angenehm bin. Aber ich bin wahr. Und ist es nicht das was du suchst? Die Wahrheit hinter dem seichten, welligen Glück und hinter dem trostlosen, grauen Schmerz? Wahrheit und Freiheit. Das kannst du finden. Unsterblichkeit gibt es hier nicht.

Und manchmal weht eben ein kalter Hauch durch dein Gemüt, du spürst nicht daß es ich bin, noch nicht, eben ging es dir gut und plötzlich weinst du, schreist und bist ganz verwirrt, verletzt...weil du mich siehst auf meinem Ast aber nicht hinsehen willst, mit aller Kraft wegsehen, wegsehen, und doch ist der dunkle Hauch in dir.

Ich finde das zum schießen absurd, hah, deine Reue, Schuld . Siehst du nicht daß es dieses du nicht gibt mit dem du immer so kämpfst um es zu formen? Leben und Sterben, daß ist das eigentliche du. Das du aller. Lebensenergie und Todeskraft. Beides verwoben, nicht zu entwirren. Kämpfe nicht und hab keine Angst. Am Ende bist du doch hier um zu sterben. Verlaufe dich nicht in einem Selbst aus leeren Zimmern, daß es gar nicht gibt. Auf der Suche nach Sinn.

Hab keine Angst denn es wird auf dieser Welt nie Tod ohne Leben geben. Sterbe heute und lebe morgen, und sterbe dann wieder in 2 Tagen oder so. Dann wenn du es geschafft hast deiner Todeskraft Raum zu geben, erscheinen Wahreit und Freiheit.

Tiere sind natürlich. Sie leben und sterben und leiden nicht daran daß es so ist denn sie haben nicht die Möglichkeit darüber nachzudenken.

Wir sind viel natürlicher als wir ahnen, nur lassen wir es kaum zu. Die Seele ist wie der Körper eine Fusion aus Leben und Sterben. Ständig sterben Zellen in uns und werden neu geboren, ständig Sterben Menschen und werden neu geboren, im Leben ist der Tod. Immer. Wir sind Leben und Tod. Immer

Immer werden Fantasie und Realität unvereinbar bleiben.

Beide Verben sollten eigentlich eines sein..sie gehören zusammen..der Fehler liegt darin sie als getrennt wahrzunehmen..aber es gibt keine unsterblichkeit..

wegzudrängen damit er uns aufs neue überrollt. Wie der Fels den armen Syssiphus. Aber Sterben ist dem Leben immanent. Wer nicht sterben kann, kann auch nicht richtig leben. Beides gehört zu unserer Existenz, der körperlichen, wie der geistigen. Wichtig um ein erfülltes, freies Leben zu führen ist die Gleichgewichtslage und die Anerkennung der beiden Seiten. Das blöde ist nur, das sterben schrecklich ist und leben

18.12.06 19:12
 


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